Auge der Geschichte zu Magdeburg e.V.

Geschichte Magdeburgs

Otto der Große

805 – 1024 – Von der Ersterwähnung Magdeburgs bis zur Ottonischen Metropole

805 – Magdeburg wird zum Grenzhandelsplatz

Im Diedenhofener Kapitular Karls des Großen wird Magdeburg im Jahr 805 als einer jener Orte genannt, über die der Handel mit den slawischen Gebieten östlich des Fränkischen Reiches kontrolliert werden soll.

Damit wird Magdeburg bereits im frühen Mittelalter zu einem wichtigen Grenz- und Handelsplatz zwischen West und Ost – eine Lage, die die Entwicklung der Stadt über Jahrhunderte prägen wird.

Otto d. Große (912 – 973)

Die Stadt Magdeburg verleiht seit dem Jahr 2005 den Kaiser-Otto-Preis aller zwei Jahre an Persönlichkeiten, die sich um die Stärkung des Europäischen Gedanken verdient gemacht haben.

805 – 1024 – Von der Ersterwähnung Magdeburgs bis zur Ottonischen Metropole

929 – Otto und Editha: eine Verbindung mit Folgen für Magdeburg

Im Jahr 929 heiratet der spätere Kaiser Otto I. die angelsächsische Königstochter Editha von Wessex. Der Überlieferung nach verbindet die beiden nicht nur Politik, sondern auch persönliche Zuneigung.

Editha erhält Magdeburg als Morgengabe. Gemeinsam mit Otto fördert sie die Stadt und trägt damit wesentlich zu ihrem Aufstieg zu einem bedeutenden politischen und geistlichen Zentrum bei.

Doch ihr Leben endet früh: Editha stirbt 946 im Alter von nur 36 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte findet sie in Magdeburg – ihre Verbindung zur Stadt bleibt damit bis heute sichtbar.

Editha (910 – 946)

Die Grablege von Otto und Editha finden Sie im Dom zu Magdeburg. Besuchen Sie auch das Ottonianum am Domplatz.

Adelheid von Burgund

805 – 1024 – Von der Ersterwähnung Magdeburgs bis zur Ottonischen Metropole

Adelheid und der Aufstieg Magdeburgs

Im Jahr 951 heiratet Otto I. Adelheid von Burgund, die Witwe des italienischen Königs Lothar. Als Königin und spätere Kaiserin wird sie zu einer der einflussreichsten Frauen ihrer Zeit. Sie gilt als Förderin von Kirche und Armenfürsorge und wird 1097 heiliggesprochen.

Unter Otto I. wächst zugleich die politische und kirchliche Bedeutung Magdeburgs. Einen Höhepunkt erreicht diese Entwicklung im Jahr 968 mit der Gründung des Erzbistums Magdeburg.

Damit wird die Stadt zu einem bedeutenden geistlichen Zentrum des Reiches und Ausgangspunkt der Missionierung östlich der Elbe.

Adelheid (931 – 999)

Die Stadt Magdeburg ehrt seit dem Jahr 2012 jährlich Persönlichkeiten der Stadt, aufgrund ihres besonderen sozialen Engagements mit dem Adelheidpreis.

1024 – 1240 – Metropole des Erzbistums Magdeburg

Erzbischöfe, Könige und die Entscheidung für die Staufer

Mit Norbert von Xanten und Wichmann von Seeburg prägen zwei der bedeutendsten Magdeburger Erzbischöfe das 12. Jahrhundert und die Entwicklung des Erzbistums.

Gleichzeitig erschüttert der Konflikt zwischen Welfen und Staufern das Reich. Zwei rivalisierende Herrscher beanspruchen die Königswürde – und auch Magdeburg muss Position beziehen.

Die Stadt und das Erzbistum orientieren sich schließlich an den Staufern. Diese politische Weichenstellung prägt die weitere Entwicklung Magdeburgs. Unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Erzbischof Wichmann von Seeburg gewinnt die Stadt weiter an Bedeutung.

Insbesondere Wichmann fördert die Entwicklung Magdeburgs und trägt entscheidend zur Ausformung jenes Stadtrechts bei, das später als „Magdeburger Recht“ weit über die Grenzen der Stadt hinaus ausstrahlen wird.

Erzbischof Wichmann (1116 – 1192)

Besuchen Sie den Dom zu Magdeburg mit der Grabplatte von Erzbischof Wichmann (1154 – 1192 Erzbischof von Magdeburg).

1024 – 1240 – Metropole des Erzbistums Magdeburg

Aus dem Kaufmanns- und Marktrecht entwickelt sich das Magdeburger Stadtrecht, das als „Magdeburger Recht“ weit über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung erlangt und sich in weiten Teilen Europas verbreitet.

Magdeburgs Bekanntheit, Anziehungskraft und wirtschaftliche Bedeutung wachsen:

  • 1199: Zum Weihnachtshoftag singt Walther von der Vogelweide im Magdeburger Dom die „Magdeburger Weihnacht“.
  • 1207/1209: Nach dem verheerenden Stadtbrand beginnt der Neubau des Magdeburger Doms – ein monumentales Bauprojekt, das sich über rund 300 Jahre erstreckt.
  • Magdeburger Bronzeguss: Die Stadt entwickelt sich zu einem bedeutenden Zentrum des mittelalterlichen Bronzegusses und erlangt auch damit überregionale Bekanntheit.

„Wir befehlen, dass in diesen Städten die Magdeburgischen Rechte in ihrem vollständigen Inhalt auf ewig befolgt werden; ….“
Hermann von Salza, Hochmeister des Deutschen Ordens, im Jahr 1233

Handwerk und Kunsthandwerk in Vollendung: Besichtigen Sie die Grabplatten Friedrichs von Wettin und Wichmanns im Dom (Original Magdeburger Bronzeguss 12. Jhd.) und die Nowgoroder Tür (Nachbildung) im Technikmuseum.

1024 – 1240 – Metropole des Erzbistums Magdeburg

„Ikone der Frauenmystik und Minnesängerin Gottes“.

Eine der bedeutendsten Mystikerinnen des Mittelalters

Rund 40 Jahre ihres Lebens verbringt Mechthild in Magdeburg. Hier entsteht ihr Hauptwerk „Das fließende Licht der Gottheit“, in dem sie ihre religiösen Erfahrungen in einer außergewöhnlich bildreichen und poetischen Sprache beschreibt.

Als selbstbewusste geistliche Schriftstellerin prägt sie die mittelalterliche Frauenmystik weit über Magdeburg hinaus. Ihr Werk zählt heute zu den bedeutendsten Zeugnissen deutschsprachiger Mystik.

Mechthild von Magdeburg (1207-1282)

Ihre Statue am Fürstenwall, im Hintergrund das Kloster Unser Lieben Frauen. Das Buch „… Licht der Gottheit„ kann käuflich erworben werden und ist auch per -Onleihe- verfügbar.

1240 -1524 – Hansestadt zwischen Ratsherrschaft und Bischofsmacht

Mit der Herausbildung des Rates gewinnt Magdeburg zunehmend an politischer Eigenständigkeit. Als Hansestadt und Mitglied verschiedener Städtebünde wächst zugleich der Einfluss der Stadt – doch damit verschärfen sich auch die Konflikte um Macht und Mitbestimmung.

Eine Stadt zwischen Aufstieg, Machtkämpfen und Krisen:

  • 1293/95: Erste schwere innerstädtische Auseinandersetzungen – wer bestimmt über die Geschicke Magdeburgs?
  • 1325: Der Konflikt zwischen Bürgerschaft und Erzbischof eskaliert im sogenannten Bischofsmord.
  • 1330: Eine neue Stadtverfassung ordnet die politischen Machtverhältnisse.
  • um 1350: Der „Schwarze Tod“ erreicht auch Magdeburg und fordert zahlreiche Opfer.

Als Hansestadt pflegt Magdeburg enge Verbindungen zu anderen bedeutenden Städten. Besonders mit Braunschweig verbindet die Stadt eine lange Zusammenarbeit – trotz Konkurrenz und mancher Interessengegensätze. Gemeinsam übernehmen beide eine führende Rolle im Sächsischen Städtebund.

Die Pest führt auch in Magdeburg zu Ausgrenzung und Gewalt. Wie andernorts werden Jüdinnen und Juden für die Seuche verantwortlich gemacht. Diese haltlosen Anschuldigungen und antisemitischen Vorurteile führen zu Verfolgungen und Pogromen.

1240 -1524 – Hansestadt zwischen Ratsherrschaft und Bischofsmacht

Magdeburgs Bürgerschaft gewinnt zunehmend an Selbstbewusstsein und pocht auf ihre städtischen Freiheiten. Der Anspruch der Erzbischöfe auf die Herrschaft über die Stadt führt jedoch immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen.

Der Konflikt um Macht und Selbstbestimmung setzt sich fort:

  • 1430–1435: Krieg mit Erzbischof Günther II.
  • 1486–1497: Langwieriger Konflikt mit Erzbischof Ernst von Sachsen

Die Auseinandersetzungen zwischen der zunehmend selbstbewussten Stadtgesellschaft und dem Herrschaftsanspruch der Erzbischöfe prägen das politische Leben Magdeburgs im 14. und 15. Jahrhundert immer wieder.

Till Eulenspiegel (14. Jhd.)

Auch wir Magdeburger träumten gern, sogar vom Fliegen. Eine Skulptur Till Eulenspiegels finden Sie auf dem Alten Markt.

1524 – 1618 – Hochburg der Reformation

Luther in Magdeburg: Die Stadt wird evangelisch

Martin Luthers Ideen fallen in Magdeburg auf fruchtbaren Boden. Die Stadt bekennt sich früh zur Reformation und entwickelt sich zu einer Hochburg des Protestantismus. In den folgenden Jahrzehnten verteidigt Magdeburg seinen Glauben und seine religiöse Eigenständigkeit mit großer Entschlossenheit.

Ein Jahrhundert im Zeichen von Reformation, Widerstand und Glaubenskämpfen:

  • Luther in Magdeburg: Seine Predigten und Schriften tragen zur raschen Ausbreitung der Reformation in der Stadt bei.
  • Schmalkaldischer Bund: Magdeburg schließt sich dem Bündnis protestantischer Fürsten und Städte an.
  • 1548: Die Stadt widersetzt sich dem von Kaiser Karl V. verfügten Augsburger Interim und wird zu einem wichtigen Zentrum des protestantischen Widerstands.
  • „Unseres Herrgotts Kanzlei“: Von Magdeburg aus erscheinen zahlreiche Streitschriften zur Verteidigung der Reformation. Der Beiname wird zum Ausdruck der besonderen Rolle der Stadt.
  • 1550/51: Truppen unter Moritz von Sachsen belagern Magdeburg – die Stadt behauptet sich.
  • 1555: Der Augsburger Religionsfrieden erkennt das lutherische Bekenntnis reichsrechtlich an und markiert einen wichtigen Einschnitt in den konfessionellen Auseinandersetzungen.

Magdeburg wird damit weit über seine Stadtgrenzen hinaus zu einem Symbol protestantischer Standhaftigkeit und publizistischer Schlagkraft.

Martin Luther (1483 – 1546)

Er predigte im Juni 1524 in der heutigen Wallonerkirche und der Johanniskirche.
Besuchen Sie das Denkmal Martin Luthers und die Johanniskirche gegenüber dem Rathaus.

1524 – 1618 – Hochburg der Reformation

Magdeburg als Zentrum der Reformation

Um 1550 wirkt der Theologe Matthias Flacius Illyricus in Magdeburg. Von hier aus veröffentlicht er zahlreiche Streitschriften und wendet sich dabei auch gegen die aus seiner Sicht zu kompromissbereite Haltung Philipp Melanchthons in theologischen Fragen.

In Magdeburg entsteht unter seiner maßgeblichen Mitwirkung eines der bedeutendsten Werke protestantischer Geschichtsschreibung: die „Magdeburger Centurien“. Flacius organisiert das umfangreiche Projekt und gehört zu seinen wichtigsten Autoren.

Die Centurien unternehmen erstmals den Versuch, die Geschichte der christlichen Kirche umfassend aus reformatorischer Perspektive darzustellen. Damit wird Magdeburg nicht nur zu einem Zentrum des protestantischen Widerstands, sondern auch zu einem bedeutenden Ort reformatorischer Geschichtsschreibung.

Matthias Flacius (1520 – 1575)

Besuchen Sie die Gedenktafel für Matthias Flacius am Magdeburger Ulrichsplatz bzw. die Nachbildung der Ulrichskirche.

1618 -1680 – Der Dreißigjährige Krieg und die Folgen

1631 – Magdeburg in Flammen

Der Prager Fenstersturz von 1618 markiert den Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Dreizehn Jahre später erreicht die Katastrophe Magdeburg.

Nach längerer Belagerung erstürmen die Truppen der Katholischen Liga unter General Tilly am 10. Mai 1631 die Stadt. Es folgen Plünderungen, Gewalt und ein verheerender Brand. Große Teile Magdeburgs werden zerstört, Tausende Menschen verlieren ihr Leben.

„Magdeburger Bluthochzeit“ – eine Stadt wird zum Sinnbild der Zerstörung

Das Ausmaß der Katastrophe erschüttert Europa. Die Vernichtung Magdeburgs wird zum Symbol für die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges. Mit „magdeburgisieren“ entsteht sogar ein neuer Begriff für die vollständige Zerstörung einer Stadt.

Magdeburg 1631 wird zum Mahnmal dafür, was Krieg einer Stadt und ihren Menschen antun kann.

1618 -1680 – Der Dreißigjährige Krieg und die Folgen

Das Ende der städtischen Selbstständigkeit

Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges kämpft Otto von Guericke als Bürgermeister und Diplomat darum, Magdeburgs politische Selbstständigkeit zu bewahren und die Anerkennung als Freie Reichsstadt zu erreichen. Seine Bemühungen bleiben jedoch erfolglos.

1666 kommt es zur entscheidenden Zäsur: Mit dem Klosterbergischen Vertrag muss sich Magdeburg der Herrschaft des Kurfürsten von Brandenburg unterwerfen.

Damit endet eine über Jahrhunderte gewachsene Tradition weitreichender städtischer Selbstverwaltung. Magdeburg verliert seine politische Eigenständigkeit und wird Teil des brandenburgischen Herrschaftsbereichs.

Otto-von-Guericke (1602 – 1686)

Ein Diplomat, Wissenschaftler und Erfinder als Oberbürgermeister.
Besuchen Sie das Otto-von-Guericke-Museum in der Lukasklause.

1680 -1815 – Brandenburgisch-preußische Festungsstadt

Festungsstadt, Zuwanderung und neuer Aufbruch

Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges und dem Verlust seiner politischen Selbstständigkeit beginnt für Magdeburg eine neue Epoche. Unter brandenburgisch-preußischer Herrschaft wird die Stadt wiederaufgebaut und grundlegend verändert.

Magdeburg wächst und gewinnt neue Bedeutung:

  • Festungsstadt: Magdeburg wird zur stärksten Festung Brandenburg-Preußens ausgebaut und erhält damit eine herausragende militärische Bedeutung.
  • Neue Heimat für Glaubensflüchtlinge: Hugenotten und Pfälzer finden in Magdeburg Zuflucht. Sie bringen neue Kenntnisse, Handwerke und wirtschaftliche Impulse mit in die Stadt.
  • Barockstadt: Beim Wiederaufbau entsteht ein neues Stadtbild mit repräsentativen Gebäuden und barocker Architektur.
  • Erste Manufakturen: Neue Formen der gewerblichen Produktion entstehen und schaffen wichtige Voraussetzungen für Magdeburgs weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Aus der vom Krieg gezeichneten Stadt entwickelt sich ein neues Magdeburg – geprägt von Festungsbau, Zuwanderung und wirtschaftlichem Aufbruch.

Georg Philipp Telemann (1681– 1767)

Frieden bringt endlich Freiräume für Kunst und Kultur. Am Telemann-Konservatorium erhalten begabte junge Menschen heute ihre Musikausbildung. Der Telemannpreis ehrt jährlich Persönlichkeiten, die sich um das Schaffen Telemanns verdient machen. Preisträger 2026 ist Herr Michael Alexander Willens, Dirigent, Köln

1680 -1815 – Brandenburgisch-preußische Festungsstadt

Magdeburg unter französischer Herrschaft

Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon gerät auch Magdeburg 1806 unter französische Herrschaft. Als bedeutende Festungsstadt bleibt die Stadt bis 1814 von französischen Truppen besetzt und wird zeitweise Teil des napoleonischen Königreichs Westphalen.

Als sich Napoleons Herrschaft ihrem Ende nähert, drohen Magdeburg erneut schwere Kämpfe und Zerstörungen. Geschickte Verhandlungen und die schließlich vereinbarte Übergabe der Festung bewahren die Stadt 1814 vor diesem Schicksal.

Nach acht Jahren endet die französische Herrschaft – Magdeburg wird wieder preußisch.

Luise von Preußen (1776 – 1810)

Sie soll sich 1807 bei Napoleon für Magdeburg eingesetzt haben. Besuchen Sie die Bastion Cleve mit dem Modell der Festung Magdeburg.

Herrmann Beims

1918 -1933 – Reformstadt und »Zentrum Mitteldeutschlands«

Die Jahre der Weimarer Republik sind auch in Magdeburg von politischen Gegensätzen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt. Arbeiter- und Soldatenräte, republikanische Kräfte und Organisationen wie das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold stehen nationalistischen und republikfeindlichen Verbänden wie dem Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten gegenüber.

1924 wird in Magdeburg das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold gegründet. Der überparteilich angelegte Verband setzt sich für den Schutz der parlamentarischen Demokratie und der Weimarer Republik ein.

Stadt des neuen Bauwillens

Doch die 1920er-Jahre stehen in Magdeburg auch für einen außergewöhnlichen architektonischen und städtebaulichen Aufbruch. Persönlichkeiten wie Bruno Taut, Carl Krayl und Johannes Göderitz prägen die Idee einer modernen, sozialen und lebenswerten Großstadt.

Neue Wohnsiedlungen, farbige Fassaden und wegweisende öffentliche Bauten verändern das Gesicht Magdeburgs – die Stadt wird zu einem bedeutenden Schauplatz des Neuen Bauens.

Bis heute lässt sich diese Epoche im Stadtbild entdecken: in der Otto-Richter-Straße, der Beims- und Curie-Siedlung sowie rund um die Stadthalle und den Albinmüller-Turm.

Politische Spannungen und demokratisches Engagement, soziale Reformen und mutige Architektur – die Weimarer Jahre verändern Magdeburg grundlegend.

Herrmann Beims (1863 – 1931)

Mit den Oberbürgermeistern Hermann Beims und später Ernst Reuter erlebt Magdeburg zugleich eine Phase weitreichender kommunaler Reformen und einer modernen Stadtentwicklung.

1918 -1933 – Reformstadt und »Zentrum Mitteldeutschlands«

Henny Porten (1890 – 1960)

Magdeburgerin und einer der ersten großen Stars des deutschen Films

Henny Porten wird 1890 in Magdeburg geboren und entwickelt sich in der Stummfilmzeit zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen Deutschlands. Mit ihrer außergewöhnlichen Popularität gehört sie zu den ersten großen Filmstars des deutschsprachigen Kinos.

In zahlreichen Stumm- und später auch Tonfilmen begeistert sie ein Millionenpublikum und prägt die frühe deutsche Filmgeschichte über mehrere Jahrzehnte.

Von Magdeburg auf die Leinwand – Henny Porten wird zum Star einer völlig neuen Kunstform.

1933 -1945 – Magdeburg unter dem Hakenkreuz

Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 bedeutet auch für Magdeburg eine tiefe Zäsur. Die demokratischen Strukturen der Weimarer Republik werden beseitigt, politische Gegner verfolgt und gesellschaftliche Organisationen gleichgeschaltet. Aus der einst als „rote Stadt“ bekannten Arbeiter- und Industriestadt wird eine nationalsozialistisch beherrschte Stadt.

Gleichzeitig gewinnt Magdeburg als bedeutender Industrie- und Rüstungsstandort an wirtschaftlicher Bedeutung. Aufrüstung und später Kriegsproduktion prägen zunehmend die Betriebe der Stadt.

Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung treffen insbesondere die jüdischen Magdeburgerinnen und Magdeburger. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird auch die Magdeburger Synagoge zerstört. Es folgen weitere Deportationen und schließlich die systematische Ermordung vieler Mitglieder der jüdischen Gemeinde.

Damit endet gewaltsam eine jahrhundertelange Geschichte jüdischen Lebens, das seit dem Mittelalter ein Teil Magdeburgs war.

Jüdisches Leben in Magdeburg

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde reicht über viele Jahrhunderte zurück. Sie ist geprägt von Zeiten des Zusammenlebens und gesellschaftlicher Teilhabe, aber auch von Ausgrenzung, Vertreibung und Verfolgung.

Ihre Geschichte gehört zur Geschichte Magdeburgs – ebenso wie die Erinnerung an jene Menschen, die entrechtet, vertrieben und ermordet wurden.

Dr. Otto Josef Schlein (1895 – 1944)

Arzt, Sozialdemokrat und engagierter Helfer der Armen

Dr. Otto Josef Schlein wirkt in Magdeburg als Arzt und setzt sich besonders für sozial benachteiligte Menschen ein. Als Jude und Sozialdemokrat wird er während der nationalsozialistischen Diktatur verfolgt, entrechtet und schließlich deportiert.

1944 wird Otto Schlein im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Heute erinnert sein Name an einen Magdeburger, dessen Leben für soziales Engagement und Menschlichkeit steht – und zugleich an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.

Spuren jüdischen Lebens entdecken

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Magdeburgs ist bis heute in der Stadt präsent. Das Mahnmal der ehemaligen Synagoge und die Neue Synagoge in der Julius-Bremer-Straße laden dazu ein, sich mit jüdischem Leben, seiner Verfolgung und seiner Gegenwart in Magdeburg auseinanderzusetzen.

1933 -1945 – Magdeburg unter dem Hakenkreuz

Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur

Henning von Tresckow und Dr. Otto Josef Schlein – zwei Magdeburger mit sehr unterschiedlichen Lebenswegen. Was sie verbindet, ist ihre Gegnerschaft zum nationalsozialistischen Regime.

Der Arzt und Sozialdemokrat Otto Josef Schlein wird als politischer Gegner und Jude verfolgt, entrechtet und schließlich nach Auschwitz deportiert, wo er 1944 ermordet wird.

Der Offizier Henning von Tresckow entwickelt sich zu einer der zentralen Persönlichkeiten des militärischen Widerstands gegen Hitler und ist an den Vorbereitungen des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 beteiligt. Nach dessen Scheitern nimmt er sich das Leben.

Unterschiedliche Lebenswege und unterschiedliche Formen des Widerstands – verbunden durch die Entscheidung, die nationalsozialistische Diktatur nicht hinzunehmen.

Henning von Tresckow (1901–1944)

Generalmajor und eine zentrale Persönlichkeit des militärischen Widerstands gegen Hitler

Der in Magdeburg geborene Henning von Tresckow gehört zu den führenden Köpfen des militärischen Widerstands gegen das nationalsozialistische Regime. Bereits vor dem 20. Juli 1944 beteiligt er sich an mehreren Plänen und Versuchen, Hitler zu beseitigen und einen politischen Umsturz herbeizuführen.

Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 nimmt sich Tresckow das Leben.

Erinnerung in Magdeburg

Ein Gedenkort am Magdeburger Nordpark erinnert heute an Henning von Tresckow. Auch die nach ihm benannte Henning-von-Tresckow-Straße hält die Erinnerung an den gebürtigen Magdeburger und seine Rolle im militärischen Widerstand wach.

1945 -1990 – Sozialıstısche Industriestadt in der DDR

Zerstörung, Wiederaufbau und neues Stadtleben

Als bedeutender Industrie- und Rüstungsstandort wird Magdeburg im Zweiten Weltkrieg zum Ziel schwerer Luftangriffe. Besonders die Bombardierung vom 16. Januar 1945 hinterlässt verheerende Zerstörungen. Große Teile der Innenstadt liegen in Trümmern, zahlreiche Menschen verlieren ihr Leben. Auch die Magdeburger Museen erleiden schwere und teilweise unwiederbringliche Verluste ihrer Sammlungen.

Eine Stadt beginnt neu

Nach Kriegsende gehört Magdeburg zur sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 zur DDR. In den 1950er-Jahren beginnt der umfassende Wiederaufbau. Dabei entsteht eine neue, an den städtebaulichen Vorstellungen der DDR und zunächst stark am sowjetischen Vorbild orientierte Innenstadt.

Der Wiederaufbau bedeutet jedoch nicht nur Neubeginn, sondern auch weitere Verluste historischer Bausubstanz. Katharinenkirche, Ulrichskirche, Jakobskirche und Heilig-Geist-Kirche werden in den folgenden Jahrzehnten gesprengt oder abgerissen.

Hochschule, Kultur und neue Impulse

Gleichzeitig entwickelt sich Magdeburg zu einem bedeutenden Wissenschafts- und Hochschulstandort. 1953 wird die Hochschule für Schwermaschinenbau gegründet – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur heutigen Universitätsstadt.

Auch Kunst und Kultur prägen das Magdeburg der Nachkriegsjahrzehnte. Persönlichkeiten wie Heinrich Apel, Reinhard Lakomy, Jutta Balk, Erich Weinert und Rolf Herricht sind auf unterschiedliche Weise mit der Stadt und ihrem kulturellen Leben verbunden.

Jutta Balk – Ihre Wahl für das „Auge der Geschichte“

Bei der Auswahl der Persönlichkeiten für das „Auge der Geschichte“ fiel das Votum auf Jutta Balk.

Die Künstlerin gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der Magdeburger Kulturgeschichte und war Mitbegründerin des Magdeburger Puppentheaters. Damit steht sie zugleich für eine Institution, die weit über die Stadt hinaus Bekanntheit erlangt hat.

1945 -1990 – Sozialıstısche Industriestadt in der DDR

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur entsteht mit der DDR eine neue Diktatur. Am 17. Juni 1953 erreicht der Volksaufstand gegen die SED-Herrschaft die Stadt. Auch in Magdeburg gehen Tausende Menschen auf die Straße und fordern bessere Lebensbedingungen und politische Veränderungen. Der Aufstand wird schließlich gewaltsam niedergeschlagen.

Magdeburg – Stadt des Schwermaschinenbaus

In den folgenden Jahrzehnten prägt vor allem der Schwermaschinenbau die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Magdeburgs. Große Industriebetriebe beschäftigen Zehntausende Menschen und machen die Stadt zu einem der wichtigsten Industriestandorte der DDR.

Orte der Erinnerung

Bis heute erinnern Orte in Magdeburg an politische Unterdrückung, Widerstand und den langen Weg zur deutschen Einheit.

Die Gedenkstätte Moritzplatz befindet sich in einem ehemaligen Gefängnis, das während der DDR-Zeit auch der politischen Verfolgung diente. Heute dokumentiert sie die Schicksale der Betroffenen und die Mechanismen staatlicher Repression.

Am Domplatz erinnert das „Denkmal Deutsche Einheit“ mit seinem Zeitstrahl an wichtige Stationen der deutschen Teilung und ihrer Überwindung – vom Mauerbau 1961 bis zum Mauerfall 1989 und zur Deutschen Einheit 1990.

Beide Orte laden dazu ein, sich mit Diktatur, Freiheit und Demokratie in der jüngeren Geschichte Magdeburgs auseinanderzusetzen.

1990 – – Als Landeshauptstadt in das neue Jahrtausend

Friedliche Revolution, Deutsche Einheit und eine Stadt im Wandel

Im Herbst 1989 gehen auch in Magdeburg immer mehr Menschen friedlich auf die Straße. Sie fordern Freiheit, demokratische Mitbestimmung und gesellschaftliche Veränderungen. Die Friedliche Revolution bringt die SED-Herrschaft zu Fall und öffnet den Weg zur deutschen Einheit.

Am 3. Oktober 1990 wird die Wiedervereinigung Deutschlands vollzogen. Nur wenige Wochen später fällt eine weitere richtungsweisende Entscheidung: Am 28. Oktober 1990 wählt der neu konstituierte Landtag Magdeburg zur Landeshauptstadt des wiedergegründeten Landes Sachsen-Anhalt.

Eine Stadt erfindet sich neu

Mit der deutschen Einheit beginnt für Magdeburg ein tiefgreifender Strukturwandel. Die jahrzehntelang vom Schwermaschinenbau geprägte Stadt muss wirtschaftlich und gesellschaftlich neue Wege finden.

Seitdem entwickelt sich Magdeburg zunehmend zu einem Standort für Wissenschaft und Forschung, Kultur und Sport sowie eine vielfältige und moderne Industrie. Universität und Forschungseinrichtungen, neue Unternehmen und Technologien prägen heute ebenso das Bild der Stadt wie ihr historisches Erbe.

Der Wandel Magdeburgs ist nicht abgeschlossen. Er gehört zu einer Stadt, die sich in ihrer mehr als 1.200-jährigen Geschichte immer wieder verändert und neu erfunden hat.